Bluffen für einen guten Zweck

Bluffen für einen guten Zweck

Oder: Versuchen cool zu wirken, wenn der Puls Richtung 200 geht…

Liebe Leser, dieser Beitrag ist sehr persönlich. So persönlich, dass ich ihn noch nicht einmal auf meinem Facebook-Blog veröffentliche. Ich hätte folgende Zeilen auch mit „Liebes Tagebuch“ einleiten können, aber ich schreibe diesen Artikel nicht nur für mich. Diese Zeilen sind nämlich Alexander Hufnagel, Tobias Walkenbach und insbesondere Ralf Naporra gewidmet, denen ich vom ganzen Herzen für dieses wunderbare Turnier dankbar bin.

Kein Leben ohne 52 Karten

Ich war zwar schon als Gast bei Stefan Raabs TV Total, Günter Jauch und durfte auch schon Markus Lanz zum Lachen bringen, aber dennoch hatte ich damals nicht so viel Lampenfieber wie am Samstag, als mir meine Idole den Weg kreuzten. Ihr müsst nämlich verstehen: Ich bin ein richtiger Poker-Freak. Aber so richtig. Fast alle Poker-Literatur die man kaufen kann, habe ich schon gelesen. Wenn ich im Kreise meiner Freunde meiner Passion nachgehe, mir den einen oder anderen Whiskey genehmige und eine Hand verliere, bei der ich zu fast 90 Prozent vorne lag, fühle ich mich nach dem Show-Down sehr einsam, weil mein Gegner nach Outs, Odds und meinem Image am Tisch, die Hand hätte niemals spielen dürfen. Das sind die Momente in meinem Leben, in denen ich mir wünsche, einmal mit Profis am Tisch sitzen zu dürfen – und genau das durfte ich vergangenes Wochenende.

Erste Blind-Stufe mit Pils

Ich durfte Samstag früh im ersten Heat ins Turnier starten und noch schöner als Chip-Leader zu sein, waren für mich der Spaß und das Sprüche-Battle mit meinen Tischgegnern. Ich kann mir leider keine Namen merken, sonst würde ich die beiden Spaßvögel namentlich nennen, die links von mir saßen: Auf folgendem Foto sind beide zu sehen:

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Am Tisch habe ich erfahren, dass der sympathische Herr, zwei Plätze links von mir, letztes Jahr als erster Turnierspieler ausgeschieden ist und als Trostpreis, für diese Schmach nach 15 Minuten bereits, eine Wagenladung Holz geschenkt bekommen hatte 🙂 Er gab zu, immer noch damit zu heizen. Beide zu meiner linken machten auch den Asi-Anfang an diesem Turniertag und orderten um 10.15 Uhr morgens die erste Runde Bier. „Bei uns im Dorf ist das üblich“, hieß es nur. Bei der zweiten Runde wurde aus Mitleid, da ich mir fatalerweise keine Wertmarken vor Turnierbeginn besorgt hatte, ein Bier mit spendiert und bei der dritten Runde ebenfalls. Ich fühlte mich sofort wohl. Beide vom selben Schlag Mensch wie ich.

Lachende Gesichter, wohin man schaut

Ich neige dazu mehr zu schreiben, als ich eigentlich sollte. Menschen die mich kennen und bereits wissen, dass ich vorletztes Jahr die „längste und geilste Ebay-Anzeige der Welt“ (Zitat stern) unabsichtlich geschrieben hatte und nunmehr sogar Autor nennen darf (werde kein Link vom Buch Posten, ist hier nicht wichtig), würden mir jetzt vorschlagen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, also mache ich das jetzt auch.

Also: In der allerletzten Hand vor dem Finale hatte ich knapp 11 Big-Blinds und wollte mit so wenigen Chips, nicht am Finale teilnehmen. „Leider“ bin ich eine Hand vorher schon All-In gegangen, aber Dank Sotis Talisman konnte ich verdoppeln (ich habe laut Aussage vom wunderbaren Soti, alias Mr. Rizovouni 13, alias Grieche, alias Fotograf, alias Mr. Malaga erfahren, dass ich in der Geschichte des Pokerspiels der erste war, dem er seinen Glücksbringer auslieh. Ich war so ängstlich wegen dieser Ehre, dass ich mich nicht getraut hatte diesen zu berühren, damit mein Pech bloß nicht auf ihn abfärbt).

Die letzte Hand, die ich in diesem Heat spielen durfte, war 32 offsuit. Da musste ich nicht lange überlegen und habe ohne mit der Wimper zu zucken alles rein gestellt. Komischerweise hat die Hand nicht gehalten.

Meine Highlights des Charity-Poker-Turniers

Auf meiner To-Do-Liste bevor ich diese schöne Welt irgendwann verlassen darf, durfte ich einen Wunsch nach vergangenem Wochenende nun abhaken: Meinen persönlichen Idol zu treffen. Sorry Mr. Konstantin „Trash Talker“ Karras, damit bist du leider nicht gemeint. Du bist in anderer Hinsicht ein Vorbild für mich und das weißt du ja 🙂 Und nein liebe Poker-Freunde, damit meine ich nicht, dass der Grieche im Gegensatz zu meinem Mutterland Türkei, Mitglied der EU ist.

Während Ralf und ich draußen vor der Halle beschäftigt waren Konstantin aufgrund seiner Herkunft zu diskriminieren, gesellte sich ein großer Mann mit rotem Pulli und einer Tasche in seiner rechten Hand zu uns – mein Idol: Stephan Kalhamer. Ich versuchte so cool wie möglich zu wirken, fühlte mich aber innerlich so, als ob ich versuchen würde, einen Royal Straight Flush zu verbergen.

Mit seinem Vorbild ins Gespräch zu kommen, im Laufe des Turnier viel Privates auszutauschen und als Höhepunkt, gegenseitig seine Werke zu schenken, hat mich mit viel Ehre erfüllt. Genauso viel Ehre, einen Side-Event u.a. gegen Felix Schneiders zu gewinnen und Poker-Größen wie u.a. Hossein Ensan („I show you my Cards gratis“) oder Michael Keiner kennenzulernen.

Bluffen für einen guten Zweck

Lieber Ralf, stellvertretend für das komplette Organisationsteam, deinen Helfern und allen Sponsoren, möchte ich dir vielmals danken, als Teilnehmer dieses wunderbaren Events dabei gewesen sein dürfen. Was du Jahr für Jahr auf die Beine stellst, ist aller Ehren wert. Kurzum: Chapeau!

Ebenfalls vielen Dank an die ganzen Poker-Pros, denen wahrscheinlich nicht ganz bewusst ist, wie toll diese Erfahrung für einige von uns gewesen ist.

Danke an Stevie Pollak für die unglaubliche tolle a) materielle Unterstützung und b) für die schönsten Dealerinnen, die mir jemals Hole Cards ausgeteilt haben. Ich habe übrigens noch einen 10 Euro-Gutschein für dein Casino. Ist da Flug, Buy-In und Unterkunft inbegriffen? 🙂

Zuletzt gebührt mein Dank an alle Teilnehmer, die dieses Event so unvergesslich gemacht haben. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit meinen Tisch-Gegnern so viel gelacht habe. Hätte ich meinen Gewinn von 17 Wertmarken vom Side-Event nicht verschenkt (nie wieder reise ich mit dem Auto an), wäre es sicherlich noch lustiger geworden.

Last but not least: Leider gibt es Menschen, deren Schicksal es nicht gut mit Ihnen gemeint hat und nicht so viel zu lachen haben, wie wir alle vergangenes Wochenende. Ralf und sein Team sorgen seit Jahren dafür, dass diesen Kindern zumindest vorübergehend ein Lächeln ins Gesicht gezaubert werden kann. Glück lässt sich nur vermehren, wenn man es teilt. Ihr seid großartig! Demütig Danke dafür!

Firat Demirhan

PS: Steffi Quint und Natalie Hof sind live viel hübscher als im Fernsehen 🙂

PPS: Vielen Dank für die Bilder an Andreas Dittmeyer, Sotirios Vassis & Markus Springob / Pictures

PPPS: Weitere Infos zu diesem wundervollen Event findet ihr auf der Homepage von Charity-Poker-Turnier

1Kommentar
  • Kerstin Bojang
    Geschrieben um 11:07h, 10 März Antworten

    Wunderbar geschrieben und vor allem : Genau so war es! Auch von mir ein großes Dankeschön an das ganze Team um Ralf!
    See u next year! Kerstin Bojang

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