Wenn pinkfarbene Hasen auf Dieckmann`s Wiese grasen wollen – Heimspieltag Nr. 5

Wenn pinkfarbene Hasen auf Dieckmann`s Wiese grasen wollen – Heimspieltag Nr. 5

Wir haben das schönste Stadion der Welt. Das war in meinen Augen schon immer so und wird es auch immer bleiben. Auch den Vorwurf, ich würde dies aus einem sehr subjektiven Blickwinkel betrachten, weise ich weit von mir, denn wer dies behauptet, ist kein echter Bochumer und wer nicht Fan vom Fau-Eff-Ell ist, hat eh einen an der Klatsche.

Insbesondere seine Innenstadtlage macht es so besonders und beliebt. Wenn ich mit meinen Jungs vom Block B an unserem Bahnhof ankomme, laufen wir grundsätzlich zu Fuß zu unserem Fussballtempel. Zwokommaeins Kilometer, circa ´ne halbe Stunde Fußweg. Perfekt, um unterwegs noch das eine oder andere Fiege-Pils zu vernichten und, was auch sehr oft vorkommt, die Gäste-Fans bei ihrem Fußmarsch inklusive steuerfinanzierter Security zu beobachten. Dabei entstehen auch hin und wieder sehr amüsante Bilder, denn es kommt nicht oft vor, dass ein halbes Dutzend Auswärtsfans in pinkfarbenen Hasenkostümen von der Staatsgewalt mit, ich sag mal, zartem Gummiknüppeleinsatz wieder in einen Käfig gesperrt wird – nur dass dieser Käfig ´ne Kirmes auf dem Dach hat…

Dass unsere Fußball-Arena da ist, wo sie jetzt ist, also anne Castroper, haben wir nur einem Menschen zu verdanken: Bauer Dieckmann. Großbauer Heinrich Dieckmann verpachtete 1911 das heutige Grundstück an den SuS Bochum, dem Vorgängerverein vom besten Club der Welt. Und wie der Zufall es so möchte, ist der jüngste aus der Dieckmann-Dynastie mein Kumpel Felix. Selbstredend, dass auch er ein Bochumer Junge ist, genauso wie sein Papa, der sogar auf derselben Grundschule war wie „uns Uwe“ Fellensiek.

Zwar hat sein Ur-Großonkel den heiligen Rasen 1950 endgültig an den VfL verkauft, aber der Name „Dieckmanns Wiese“ wird immer bleiben. Daher kann ich es schon verstehen, dass der Felix mit etwas erhobenerem Haupt die Stufen des Blocks hochschreitet als mancher von uns, auch wenn das Gefühl wahrscheinlich bei uns allen ziemlich gleich euphorisierend ist.

Am Freitag erwarten wir innerhalb eines 1/52-Jahres den dritten Verein aus der näheren Umgebung… „näher“ ist angesichts von 320 Kilometern Fahrtstrecke halt ein dehnbarer Begriff. Die Ambitionen der Pfälzer waren vor Saisonbeginn eindeutig: Dahin zurück, wo sie langfristig hingehören. Nein, nicht in die Hölle, sondern in die Bundesliga. Dementsprechend war das Ziel auch klar: Direkter Aufstieg (Relegation und Hamburg als Gegner sind inzwischen nicht mehr sehr verlockend). Das Bild ist aber momentan ein ganz anderes: Es ist die Elf von Coach Verbeek, die momentan von den Aufstiegsrängen twittert und wenn man dem likenden & zwitschernden, deutschlandweiten Echo Gehör schenkt, auch absolut zu Recht.

Zu Verbeek-Gate habe ich eine Meinung, die vielleicht nicht bei jedem Anklang finden wird: Mir ist herzhaft egal, welches Ziel der Verein in der Öffentlichkeit ausgibt bzw. ob er es überhaupt tut. Auch wenn ich als Außenstehender nicht alle Interna erfahren werde, wage ich zu behaupten, selber entscheiden zu können, welche Ziele für uns realistisch sind und welche nicht. Diese muss ich mir nicht diktieren lassen und mir reicht vollkommen der Gedanke, dass alle Verantwortlichen wissen, wohin die Reise gehen soll.

Über die Art und Weise, wie der Verein in der Öffentlichkeit kommuniziert, lässt sich immer diskutieren – nicht jedem passt die Vorgehensweise, aber das ist normal. Jedoch braucht nun Mal auch jede Wahrheit einen Mutigen, der sie ausspricht. Wahr ist aber auch, dass die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt. (Wahrhaftig philosophisch, oh du weiser Kolumnist…)

Daher wäre auch vielleicht ein kleinster gemeinsamer Nenner aller Parteien von Nöten. Man könnte sich ja darauf einigen, kein Ziel nennen, aber weiterhin jedes Spiel gewinnen zu wollen. Das würde man dann einen „faulen Kompromiss“ nennen.

Zurück ins Hier und Jetzt: Drei Punkte zum Abschluss der Fish-and-Chips-Woche wären etwas Feines. Unsere Jungs sollen rennen, kämpfen, schwitzen und notfalls bluten. Wenn sie nämlich das tun, kann ich mit jedem Ergebnis leben. Heute Abend, hier auf Dieckmanns Wiese, wo #FCKnotwelcome ist. Glück Auf! [/read]

 

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