Schickt den Praktikanten! – Heimspieltag Nr. 1

Schickt den Praktikanten! – Heimspieltag Nr. 1

187. Mit dieser Zahl ist nicht die Straßengang oder gar der Paragraph gemeint, der den Straftatbestand der Verleumdung definiert, nein, die Zahl steht für etwas anderes: Seit 187 Minuten ist unser Fau-Eff-Ell nun ohne Gegentreffer. Wenn man bedenkt, dass wir letzte Saison die Schießbude der Liga waren, gleichwohl aber auch dafür gesorgt haben, dass es beim Gegner genauso oft im eigenen Gehäuse klingelte, eine kleine, wenn auch beeindruckende Zahl.

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Genauso beeindruckend war die Saisonvorbereitung unseres Vereins, die natürlich mit dem Sieg über Lüdenscheid-Nord und dem tollen Tor von Tim Hoogland ihren Höhepunkt fand, obwohl wir alle wissen, dass Testspiele nur eine begrenzte Aussagekraft haben. Umso erwartungsfroher waren nicht nur die fast 2.000 Bochumer im Wellblechpalast namens Soundso-Arena in der ostwestfälischen Diaspora, die mit ihrer lautstarken Unterstützung aus einem Auswärtsmatch ein Heimspiel machten, sondern auch alle Fans, die am Radio oder vor der Flimmerkiste mitfieberten. Wobei im Vorfeld des Saisonauftakts klar war, dass das Paderborner nicht ansatzweise mit unserem Fiege-Pils mithalten kann. Dass sich das auch so aufs Spiel übertragen ließ, fast 90 Minuten lang, hätte ich nicht gedacht – Chapeau, VfL. Besser noch: Cheers!

Wenn man das Spiel auch aus dem Blickwinkel betrachtet, dass das ewige Transfertheater um Michael „Michi/Franz/Gregerl“ Gregoritsch (Mach` et jut, Junge und danke für die Euros!) mittlerweile alle Beteiligten nervte, genauso wie die Berichterstattung einiger Zeitungen unseren Coach Verbeek, erfüllt die Tatsache, dass wir fast das gesamte Spiel nichts anbrennen ließen, das leidgeprüfte Bochumer Herz mit viel Genugtuung.

Stichwort „Medienschelte“: Die Ergebnisse am Ende der letzten Saison waren, um wieder darauf zurückzukommen, ein gefundenes Fressen für die fleißigen Sportredakteure der schreibenden Presse. Ich gebe zu, seit einigen Wochen freue ich mich als Bochumer Junge mindestens so sehr auf die Pressekonferenzen wie über dat Zwo-eins gegen Schwatzgelb. Warum? Das liegt zu 101 Prozent an unserem Cheftrainer Gertjan Verbeek. Mein Gott, wie er die Journalisten rundmacht – unglaublich! Ich habe noch nie erlebt, dass die Menschen bei der Übertragung der PK in die angrenzenden VIP- und Fanbereiche in Gelächter ausbrechen und sich zu spontanen Beifallskundgebungen hinreißen lassen. Das schafft nur der Holländer, der übrigens am Spieltag Geburtstag hat. Soll ihn die Mannschaft mit drei Punkten beschenken.

Zurück zum Thema: Seine Kritik ist vielleicht berechtigt, die Art und Weise der Kommunikation sicher „gewöhnungsbedürftig“ – aber mir ist ein Trainer lieber, der seine Meinung vertritt und auf doofe Fragen die entsprechenden Antworten gibt, als einer, der nur mit den Medien kuschelt. Ob er unsere Mannschaft „kaputttrainiert“, wie Ende der letzten Saison behauptet wurde, oder ihm ein fünfter Platz als Saisonzielausgabe angedichtet wird: Der Coach wird erfahrungsgemäß schon bald seine Meinung dazu äußern, dann aber wieder von Angesicht zu Angesicht und vor versammelter Presse-Mannschaft, so dass die keinen drolligen Tag mehr haben wird. Wenn ich lokaler Sportreporter wäre – ich würde nur noch Praktikanten zum VfL schicken!

Ob sich dieser scheinbar unendliche Twist negativ auf unsere Außendarstellung auswirkt, gemäß Mark Twains Zitat „Ich liebe Kritik, aber ich muss damit einverstanden sein“, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Siege und leidenschaftliche Auftritte wie in Paderborn sind jedoch natürlich das beste Mittel für eine positive Wahrnehmung. Dazu zählt natürlich auch ein Sieg im Derby am Samstag gegen den (entfernten) Revier-Nachbarn vom MSV.

Wenn die Mannschaft dort anknüpft, wo sie im letzten Spiel aufgehört hat, bin ich mir sicher, dass unser Keeper Andi Luthe und seine Abwehr auf eine viel höhere Zahl blicken werden, als auf die 187 Minuten ohne Gegentreffer. Glück Auf! [/read]

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